Jakarta - Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verkündete Ende Februar 2011 den Nationalen Masterplan 2011 bis 2025, der in den kommenden Jahren massive Investitionen in die Infrastruktur vorsieht. Eingebettet in den Plan ist die neue Politik der "Wirtschaftskorridore", wonach die Landesregionen unter Berücksichtigung ihrer Ressourcen gefördert werden sollen. Vorgesehen ist die Entwicklung von sechs regionalen "Korridoren", für die Zielgrößen erarbeitet wurden.
Die indonesische Regierung will im Rahmen ihrer ehrgeizigen Entwicklungsziele die regionale Wirtschaftsförderung intensivieren. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verkündete am 22.2.11 die neue Politik der "Wirtschaftskorridore", wonach die Regionen des Inselstaates entsprechend dem jeweiligen Ressourcenpotenzial entwickelt werden sollen.
Anvisiert wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von umgerechnet rund 720 Milliarden US$ im Jahr 2010 auf eine Größe zwischen 3.800 Milliarden und 4.500 Milliarden US$ bis 2025. Damit würde Indonesien weltweit zur zwölftgrößten Volkswirtschaft aufsteigen. Das BIP pro Einwohner, das 2010 erstmals die 3.000-US$-Grenze überstieg, soll bis 2025 auf ein Niveau von 13.000 bis 16.100 US$ zunehmen. Angestrebt werden auch Änderungen in der sektoralen Wirtschaftsstruktur. Bis 2025 sollen der Anteil der Landwirtschaft am BIP von derzeit 22 auf 9 Prozent sinken, die Anteile der Industrie von 33 auf 36 Prozent und des Dienstleistungssektors von 45 auf 55 Prozent sich jedoch erhöhen.
Nach Projektionen der Investmentbanken Goldman Sachs und Standard Chartered Bank wagen die indonesischen Planer gar eine Prognose für 2045. Im genannten Jahr sollen das BIP eine Höhe von etwa 16.600 Milliarden US$ und das Pro-Kopf-Einkommen von circa 46.900 US$ erreichen. Solch eine Entwicklung würde das Land zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt machen.
Wenn auch diese ehrgeizigen Ziele mit Fragezeichen versehen werden müssen und der Masterplan viele Unstimmigkeiten enthält, erscheint es bemerkenswert, welch hohen Stellenwert die Regierung der regionalen Wirtschaftsentwicklung künftig einräumt. Nach den Vorstellungen soll das starke Übergewicht der Insel Java in der Volkswirtschaft abgebaut und eine regionale Diversifizierung der Investitionen herbeigeführt werden, indem die lokal verfügbaren Rohstoffe und regionalen Standortvorteile im Sinne einer effizienten Ressourcenallokation verstärkt genutzt werden. Laut Statistikbehörde BPS war 2010 Java an der Entstehung des BIP zu 58,0 Prozent beteiligt, gefolgt von Sumatra (23,1%), Kalimantan (9,2%), Sulawesi (4,6%), Bali und Nusa Tenggara (2,7%) sowie den Molukken und Papua (2,4%).
Der Regierung schweben sechs "Wirtschaftskorridore" auf den Hauptinseln/Regionen Sumatra, Java, Kalimantan, Sulawesi, Bali & Nusa Tenggara und Papua & Molukken vor, wo jeweils mehrere Wachstumszentren entstehen werden. Bei diesem Plan setzt Jakarta vor allem auf den Privatsektor. Etwa 92 Prozent der notwendigen Investitionsmittel sollen von in- und ausländischen Privatfirmen aufgebracht werden. Im öffentlichen Sektor sollen die Staatsbetriebe gezielt zur Entwicklung der Regionen eingesetzt werden.
Nach dem Plan müssen in die Infrastruktur der Regionen bis 2015 zunächst 76,2 Milliarden US$ investiert werden, davon 29,9 Milliarden US$ in den Eisenbahnsektor, 25,0 Milliarden US$ in das Straßennetz und 16,0 Milliarden US$ in den Energiesektor. Für Seehäfen sind 3,3 Milliarden US$ und für Flughäfen 0,5 Milliarden US$ vorgesehen. Die restlichen 1,4 Milliarden US$ betreffen andere Bereiche.
Nach 2015 sind weitere massive Investitionen von insgesamt 856,5 Milliarden US$ vorgesehen. Auch hier steht der Eisenbahnbereich mit 342,2 Milliarden US$ an erster Stelle. In den Straßenbau sollen 288,6 Milliarden US$ investiert werden. Für den Kraftwerksbereich sind 90,8 Milliarden US$ vorgesehen. Für Seehäfen sind 32,5 Milliarden US$ und für Flughäfen 10,6 Milliarden US$ eingeplant. In die übrigen Infrastrukturbereiche sollen 91,8 Milliarden US$ gehen.
Nach dem vorgelegten Plan sollen im Sumatra-Korridor vornehmlich Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe entstehen. Im Mittelpunkt des Ressourcenpotenzials stehen hier Palmöl, Naturkautschuk und Kohle. Mit dem Korridorplan soll das durchschnittliche reale BIP-Wachstum pro Jahr von 4,5 auf 6,3 Prozent angehoben werden, das regionale BIP von 139 Milliarden US$ (2008) auf 473 Milliarden US$ (2025) steigen. Im Norden der Insel sollen die Staatsfirmen PTPN III, PTPN IV und die Staatsbahn PT Kereta Api mit Investitionen von 6.800 Milliarden Indonesische Rupiah (556 Mio. Euro, 1 Euro = 12.232 Rupiah, 3-Monatsmittel) die Industriezone Semangke entwickeln. In Süd-Sumatra wird das Unternehmen PT Pupuk Sriwijaya im Tanjung Api-Api mit 1.800 Milliarden Rupiah ein Düngemittelwerk errichten.
Das Bergwerksunternehmen PT Bukit Asam wird zwischen Tanjung Enim und Lampung mit Investitionen von 15.300 Milliarden Rupiah eine doppelgleisige Eisenbahnverbindung bauen. Darüber hinaus sieht der Plan einen weiteren Schienenweg zwischen Tanjung Enim und Tanjung Api-Api vor, wofür 13.500 Milliarden Rupiah verausgabt werden sollen. Die PT Bukit Asam wird außerdem in Lahat ein Kohlekraftwerk (2 X 100 MW) errichten.
Die Insel Java soll zum Industrie- und Servicezentrum entwickelt werden. Hier stehen die Lebensmittelverarbeitung, die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Logistiksektor im Vordergrund. Mit der "Korridor"-Politik will der Staat das durchschnittliche BIP-Wachstum von 5,8 auf 7,5 Prozent pro Jahr anheben. Das BIP von Java wird danach von 304 Milliarden (2008) bis 2025 auf 1.282 Milliarden US$ steigen. Die Hafenbetriebsgesellschaft PT Pelindo II wird zum Ausbau des Seehafens Tanjung Priok im Norden von Jakarta 22.000 Milliarden Rupiah investieren. Für den Ausbau der Eisenbahn- und Straßenverbindungen zum Containerhafen Tanjung Priok wird das Staatsunternehmen weitere 2.000 Milliarden Rupiah aufwenden.
Auf dem Investitionsplan zur Infrastrukturentwicklung auf Java stehen ferner Maßnahmen zum Ausbau der Eisenbahnelektrifizierung durch die Firmen PT Wika, PT PP und die Staatsbahn. Hierfür sind Ausgaben von 36.000 Milliarden Rupiah eingeplant. In die Revitalisierung von Düngemittelwerken durch Erdgas aus dem Cepu-Förderblock wird die PT Pupuk Sriwijaya 18.000 Milliarden Rupiah investieren. Im Zusammenhang mit dem Bau der Trans-Java-Toll-Road und die Jakarta Outer Ring-Road wird die Schnellstraßen-Betriebsgesellschaft PT Jasa Marga 28.300 Milliarden Rupiah stecken.
Im Kalimantan-Korridor, der zum Produktions- und Verarbeitungszentrum für Bergbau- und Energieprodukte ausgebaut werden soll, stehen als Ressourcen Erdöl und Erdgas sowie Kohle und Palmöl im Mittelpunkt. Hier erwarten die Wirtschaftsplaner durch die Förderung eine Anhebung der Wachstumsrate von 3,6 auf 5,8 Prozent. Das regionale BIP soll von 59 Milliarden (2008) auf 152 Milliarden US$ bis 2025 ansteigen. In eine höhere Rohölförderung in Ost-Kalimantan wird die staatliche Ölgesellschaft PT Pertamina 11.400 Milliarden Rupiah investieren. Des Weiteren soll das Unternehmen PT Pupuk Kaltim in Bontang mit Investitionen von 5.400 Milliarden Rupiah ein Düngemittelwerk aufbauen. Darüber hinaus plant das staatliche Bergbauunternehmen PT Antam in West-Kalimantan den Bau einer Aluminiumschmelze. Dafür sollen 9.000 Milliarden Rupiah investiert werden.
Im Wirtschaftskorridor Bali - Nusa Tenggara, der als Tourismuszentrum und Nahrungsmittelbasis konzipiert ist, wird eine Anhebung des durchschnittlichen jährlichen Wachstums von 5,6 auf 7,6 Prozent angestrebt. Das regionale BIP soll von 18 Milliarden (2008) bis 2025 auf 76 Milliarden US$ stark zunehmen. Wichtigstes Infrastrukturprojekt in diesem "Korridor" ist der Bau einer gebührenpflichtigen Schnellstraße vom internationalen Flughafen Ngurah Rai nach Nusa Dua mit Investitionen von 1.600 Milliarden Rupiah durch die Staatsgesellschaften PT Jasa Marga und PT Angkasa Pura I.
Der Sulawesi-Korridor steht für die Entwicklung von Landwirtschaft und Fischerei. Im Bergbaubereich soll die Nickelverarbeitung vorangetrieben werden. Das jährliche BIP-Wachstum soll durch die Verbesserung der Infrastruktur von 6,0 auf 7,7 Prozent erhöht werden, das regionale BIP von 21 Milliarden (2008) bis 2025 auf 94 Milliarden US$ steigen. In die Ausweitung der Rohölförderung wird die PT Pertamina in Zentral-Sulawesi 14.100 Milliarden Rupiah investieren. Die PT Antam will für eine Ferro-Nickel-Anlage in Ost-Halmahera 15.000 Milliarden Rupiah ausgeben.
Der Papua-Molukken-Korridor soll zum Zentrum natürlicher Ressourcen entwickelt werden. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung der Plantagenwirtschaft. Mit der Infrastrukturentwicklung soll der durchschnittliche jährliche BIP-Zuwachs von 7,0 auf 9,6 Prozent angehoben werden. Das regionale BIP könnte dann von 13 Milliarden (2008) bis 2025 auf 83 Milliarden US$ zunehmen. Als wichtigstes Infrastrukturvorhaben nennt der Plan den Aufbau eines Glasfasernetzes zur Verbindung der Orte Sorong, Manokrawi, Jaya Pura und Merauke. Quelle: Germany Trade & Invest
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