Weilburg, 08.08.2012 - Eine vietnamesische Delegation hat am Dienstag Hessen Forst in Weilburg besucht, um sich darüber zu informieren, wie in Vietnam die Waldbewirtschaftung verbessert werden kann.
Das Problem in Vietnam ist, dass die Produktion aus den Wäldern den Rohmaterialbedarf nicht decken kann. Es mangelt an Qualitätskontrollen, und mit veralteten Technologien wird importiertes Rohmaterial nur zu einem Viertel genutzt. Es fehlt an Kompetenzen in der Verwaltung, Ausbildung, Wissenschaft und Forschung, um die Herausforderungen eines nachwachsenden Sektors zu meistern und dabei natürliche Waldressourcen zu erhalten.
Regelmäßig besuchen Delegationen aus allen Erdteilen Hessen Forst
Die Regierung in Vietnam hat die Bedeutung der Waldressourcen für den Lebensunterhalt der ländlichen Bevölkerung erkannt. Die nationale Forstentwicklungsstrategie sieht vor, bis 2020 Voraussetzungen für die nachhaltige Bewirtschaffung zu schaffen. Derzeit läuft ein Modellprojekt in fünf Provinzen. Dieses Programm zur Förderung nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Handel und Vermarktung von Waldprodukten unterstützt Forstbetriebe bei der Umsetzung.
Eberhard Goetz von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt seit vier Jahren das Projekt vor Ort. Er begleitet die Vietnamesen auf ihrem einwöchigen Besuch durch Hessen.
Der hochkarätigen Delegation aus Vietnam gehören unter anderem der Vize-Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, der stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Steuerungsausschusses für Staatsbetriebsreform und der Ministerpräsident der Provinz Kon Tuman an, außerdem der Leiter der vietnamesischen Staatsforstverwaltung sowie der stellvertretender Leiter des Büros des Ministerpräsidenten für Wirtschaftsentwicklung.
"Das Forstprogramm ist auf drei Komponenten aufgebaut", sagt Eberhard Goetz. Zum Einen auf die nachhaltige Bewirtschaftung, gefolgt von der Nutzung, wie Produktion und Marketing von Waldprodukten, und der Forstpolitik. "Wir decken sozusagen alle Bereiche ab. Vom Samen bis zum Möbelstück", so Goetz.
Ziel sei es, Wälder zu zertifizieren, das heißt, es müsse nachgewiesen werden, dass das Holz aus einer legalen Quelle stammt. Im November sei zum ersten Mal ein Naturwald in Vietnam zertifiziert worden. "Das wird nun jedes Jahr überprüft", sagt Goetz. "Mit unserer Hilfe sollen in fünf Provinzen die nachhaltigen Pläne umgesetzt werden, die von uns entwickelt wurden und von der Regierung in Vietnam anerkannt sind."
Man arbeite auf der Betriebs-, der Provinz- und der Ministeriumsebene. Es gebe in Vietnam zahlreiche Ethnien, die im und um den Wald herum lebten. Deshalb werde eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung angestrebt.
Bis 2014 soll es eine Nachbetreuungsphase geben, dann soll das Programm in vietnamesische Hände gegeben werden. Gestartet ist das Programm 2006, ein Teil der Kosten trägt Vietnam, der deutsche Anteil beträgt drei Millionen Euro.
Bernd Müller, Forstdirektor und stellvertretender Leiter des Forstamtes Weilburg mit forstlichem Bildungszentrum, betreut zusammen mit Jörg Albrecht, Leitender Forstdirektor von Hessen Forst die Delegation. "Das gehört auch zu unseren Aufgaben dazu", sagt Bernd Müller. Ein Mitarbeiter von Hessen Forst habe in Vietnam das Projekt unterstützt und die Bevölkerung mit einer gewissen Basis ausgestattet und Schulungen in den Dörfern angeboten.
"Die deutsche Forstwirtschaft ist ein Erfolgsmodell, seit vor 250 Jahren die nachhaltige Waldforstwirtschaft geboren wurde", sagt Müller. Deshalb gebe es mit Hessen Forst weltweite Partnerschaften. Regelmäßig besuchen Delegationen aus allen Erdteilen Hessen, um etwas über die nachhaltige Forstwirtschaft zu lernen. Quelle: mittelhessen.de