WTO: Lamy warnt vor Protektionismus in Ostasien

Bangkok/Genf, 01.06.2012 – Die Welthandelsorganisation hat Ostasien davor gewarnt, als Reaktion auf die Konjunkturschwäche in Europa neue Handelshemmnisse aufzubauen. Statt sich abzuschotten, müssten die Länder in der Region vielmehr weiter zusammenwachsen, sagte WTO-Direktor Pascal Lamy am Donnerstag zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) Ostasien in Bangkok: „Je größer die Integration, desto besser der Schutz vor Schocks von außen.“ In den vergangenen sechs Monaten seien neue protektionistische Maßnahmen verhängt worden. „Das ist besorgniserregend“, sagte Lamy.

Die Regierungschefs von Indonesien, Vietnam, Laos und Thailand bekräftigten ihre Absicht, die Integration voranzutreiben. Die zehn Länder der Südostasiatische Staatengemeinschaft (Asean) wollen bis 2015 einen gemeinsamen Binnenmarkt verwirklichen. Infrastrukturprojekte seien auf gutem Weg, sagte Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono betonte als Ziel neben der wirtschaftlichen Integration auch die Armutsbekämpfung.

Korruption und mangelnde Chancengleichheit sieht Eswar Prasad, Professor an der amerikanischen Cornell-Universität, als größte Herausforderungen für die Länder Ostasiens. Wenn von der wirtschaftlichen Öffnung nur eine kleine Elite profitiere, schwinde die Bereitschaft der Bevölkerung, Reformen und Öffnung zu unterstützen. Die Regierungen der Region trieben den Kampf gegen die Korruption voran und machten Fortschritte, sagten der Handelsminister Indonesiens, Gita Wirjawan, und der stellvertretende Regierungschef Thailands, Kittirat Na-Ranong.

An dem zweitägigen Forum nehmen mehrere hundert Regierungsvertreter und Unternehmer teil. Eine bessere Vernetzung ist das Thema des Forums. An der Auftaktveranstaltung nahm auch Myanmars Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi teil. Sie war wegen des Forums erstmals seit 24 Jahren außer Landes gereist. Die bis 2011 in Myanmar regierenden Militärjunta hatte sie jahrelang unter Hausarrest eingesperrt. Während der kurzen Perioden in Freiheit verließ sie das Land nicht – aus Angst, die Junta verweigere ihr die Rückkehr. Der neue Präsident bemüht sich um Aussöhnung. Suu Kyi hat bei Nachwahlen inzwischen ein Mandat im Parlament gewonnen. Sie wollte sich am Freitag an die Forum-Teilnehmer wenden. Quelle: focus