Marktentwicklung: Chemieindustrie in Südostasien

Kuala Lumpur, 26.05.2012 -Malaysias Chemiemarkt wird angesichts der weltwirtschaftlichen Abschwächung 2012 wohl langsamer wachsen als gewohnt. Mit einem Plus im unteren einstelligen Bereich bleibt das Land dennoch für Lieferanten chemischer Produkte hochinteressant.

Die Binnennachfrage in Malaysia ist robust, wenngleich die Dynamik in wichtigen Abnehmerbranchen wie Kfz und Wohnungsbau nachlässt. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich im Pharmasegment. Positiv sind mittelfristig auch die Aussichten für die Downstream-Produktion.

Marktentwicklung

Der malaysische Markt für Kunststoffprodukte stagniert 2012 nach Einschätzung der Hersteller, nachdem er im Vorjahr um 4,2% geschrumpft war. Lediglich die Exporte, die 2011 – mit steigender Tendenz – 62% des Umsatzes der lokalen Kunststoffindustrie ausmachten, dürften der Branche 2012 insgesamt zu einem Wachstum von etwa 2% verhelfen.

Mit einer ähnlichen Steigerung erzielte die Branche 2011 einen Gesamtumsatz von 16,1 Mrd. malaysischen Ringgit (RM; rund 3,8 Mrd. Euro; 1 Euro = 4,27 RM), erklärte S C Chan von der Malaysian Plastics Manufacturers Association im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Die stärksten Zuwächse sieht er mit 8 bis 10% – überwiegend durch Exporte getragen – bei Folien. Auch Kunststoffteile für die Bauwirtschaft, die sich in Malaysia angetrieben von Infrastrukturprojekten weiter positiv entwickelt, dürften mit 4 bis 5% deutlich zulegen.

Wachsende Absatzchancen sehen Branchenvertreter außerdem für importierte Spezialchemikalien, beispielsweise zur Verstärkung von Beton beim Brücken- und Hochbau.

Automobilindustrie

Der Automobilmarkt verliert 2012 an Dynamik und dürfte nur noch rund 2% mehr Kunststoffteile aufnehmen. Mittelfristig kann jedoch der Absatz von Kunststoff in der malaysischen Kfz-Fertigung wieder flüssiger laufen. Denn im internationalen Vergleich bestehe hier noch Nachholbedarf, konstatieren Branchenvertreter. Das Gros der Kunststoffprodukte war 2011 mit 42% für Verpackungen bestimmt, 35% gingen in die Automobil- und die Elektro- und Elektronikindustrie, 20% in andere Konsum- und Industrieprodukte.

Agrochemikalien

Der Markt für Agrochemikalien, außer Düngemitteln, schrumpfte 2011 um geschätzte 7% auf rund 600 Mio. RM und dürfte auch 2012 kaum wachsen. Wesentliche Herausforderungen sind der akute Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften und der zunehmende “Marktanteil” gefälschter Produkte, konstatierte Herbert Dittmar, Geschäftsführer der Bayer Co. (Malaysia) im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Für spezifische Anwendungen, wie die Hybridisierung von Saatgut, sehen Chemievertreter ein stärkeres Wachstum.

Wesentlich größer als der Markt für Pestizide und Herbizide ist der für Düngemittel, die staatlich subventioniert sind und zu 90% importiert werden. Nachdem Malaysia 2010 3,6 Mio. t im Wert von 4,9 Mrd. RM verbrauchte, stieg die Nachfrage 2011 auf 4,1 Mio. t und 5,4 Mrd. RM. Rund drei Viertel der Gesamtmenge kommen auf den Palmölplantagen zum Einsatz. Mit einer Erzeugung von 18,9 Mio. t im Jahr 2011 (Vorjahr: 17,0 Mio.) ist Malaysia einer der weltweit größten Produzenten von Palmöl. Es wird zu rund 90% exportiert, ist einer der wichtigsten Devisenbringer, dient aber auch als Rohstoff für die oleochemische lndustrie und wird in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie sowie als Biotreibstoff eingesetzt.

Farben und Lacke

Die Aussichten für den Verkauf von Farben und Lacken sind 2012 mit einem Zuwachs zwischen 3 und 5% etwas getrübt. Der Wohnungsbau expandiert aufgrund von Sättigungstendenzen nicht mehr so stark wie bisher. Dagegen ziehen öffentliche Infrastrukturprojekte auf Schiene und Straße an.

Arzneimittelindustrie

Den Arzneimittelmarkt beziffert die Malaysian Organisation of Pharmaceutical Industries (MOPI) für 2011 auf rund 5 Mrd. RM. Er dürfte in den kommenden Jahren um 8 bis 10% wachsen, so die Schätzung des MOPI-Präsidenten Leonard Ariff Shatar im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Nach den Prognosen der Analysten von IMS Health schwächt sich der Zuwachs 2012 auf 7% (Vorjahr: +12,7%) ab und erreicht ein Volumen von 4,5 Mrd. RM. Rund zwei Drittel des Bedarfs müssen durch Importe gedeckt werden. Etwa die Hälfte des Pharmaumsatzes entfällt laut Verbandsangaben auf Generika. Überdurchschnittlich nimmt der Verkauf von dermatologischen und Antiinfektionsmitteln zu. Auch greifen die Verbraucher verstärkt zu frei verkäuflichen Präparaten.

Kosmetika/Reinigungsmittel

Die Nachfrage malaysischer Privathaushalte nach Körperpflegeprodukten, Kosmetika, Reinigungsmitteln, verarbeiteten Lebensmitteln sowie Kunststoffwaren wächst. Die Reallöhne steigen und so kann der Konsum 2012 mit real 6 bis 7% ähnlich stark zulegen wie im Vorjahr. Die muslimischen Verbraucher kaufen vermehrt als “halal” zertifizierte Waren, die im Kosmetiksegment bereits 10 bis 20% des Umsatzes ausmachen.

Produktion/Branchenstruktur

Die chemische Industrie und die Herstellung von Erdölerzeugnissen sind mit Produktionsanteilen von 19 beziehungsweise 15,9% die wichtigsten produzierenden Sektoren Malaysias, neben der Elektro- und Elektronikbranche. Die Rohstoffbasis liefert der staatliche Öl- und Gaskonzern Petronas, der von der Förderung bis zur Weiterverarbeitung tätig ist und mit multinationalen Unternehmen kooperiert. Zu den größten ausländischen Investoren zählen BASF, Dow Chemicals, BP, Shell, Eastman Chemicals, Toray, Mitsubishi, Idemitsu, Polyplastic, Kaneka, Dairen und die Titan Petchem Group.

Der petrochemische Zweig von Petronas erreichte 2011 ein Produktionsvolumen von 8,2 Mio. t (+5,1% gegenüber dem Vorjahr), verringerte jedoch seine Kapazitätsauslastung von 82,5% auf 81,0%. Mit seinem RAPID-Projekt in Pengerang (Johor) im Wert von 60 Mrd. RM expandiert das Unternehmen weiter. Neben einer Raffinerie gehört ein Petrochemiekomplex für Ethylen, Propylen und Olefine dazu. Ein Teil des Projekts wird zusammen mit der BASF durchgeführt. Nach der im 1. Halbjahr 2012 zu erstellenden Umweltverträglichkeitsstudie ist mit der Vorqualifizierung für die Ausschreibungspakete im 3. Quartal 2012 zu rechnen.

Malaysia ist der drittgrößte Hersteller von Naturgummi – nach Thailand und Indonesien. Das Land steigerte 2011 seinen Ausstoß um 6,1% auf 996.210 t. Der Großteil geht in die Herstellung von Gummihandschuhen. Die lokale Industrie fertigte 2011 30,9 Mrd. Paar im Wert von 8,5 Mrd. RM. Dabei gibt es einen Trend zur Verarbeitung von Synthesekautschuk.

In der Kunststoff verarbeitenden Industrie mit ihren rund 1.500 meist kleinen Firmen und 86.000 Mitarbeitern ist das Investitionsklima global bedingt eher verhalten, konstatiert Verbandsmanager S C Chan. Bereits 2011 nahmen die genehmigten Investitionen in der Kunststoffverarbeitung um 17% gegenüber dem Vorjahr auf 666 Mio. RM ab. Dagegen stiegen die Investitionen in der chemischen Industrie um 75% auf fast 5 Mrd. RM, fast zwei Drittel davon kamen aus dem Ausland. In der Öl- und petrochemischen Industrie sank der Wert um rund die Hälfte auf 2,7 Mrd. RM.

Malaysias Biodieselproduktion bewegt sich angesichts der schwachen Binnennachfrage und unattraktiver Exportabgaben deutlich unterhalb der Möglichkeiten. Nach Angaben des Malaysian Palm Oil Board waren 2011 nur ein Drittel der rund dreißig Werke in Betrieb. Sie steigerten zwar ihren Output gegenüber dem Vorjahr um 45% auf 170.000 t, nutzten damit aber nur einen Bruchteil ihrer Kapazität.

Von der staatlich erwünschten und steigenden Nachfrage nach preiswerten Medikamenten profitieren die Generikahersteller im Land. Es sind meist kleine und mittlere Unternehmen, die darüber hinaus traditionelle Heilmittel und Erzeugnisse im Auftrag ausländischer Pharmafirmen fertigen. Mitte 2011 waren 251 Arzneimittelproduzenten beim Gesundheitsministerium registriert, davon 179 Hersteller traditioneller Medizin und 72 pharmazeutische Unternehmen. Zu den ausländischen Firmen mit Fertigung im Land zählen Y.S.B. Industries (Taiwan), Sterling Drug (Vereinigtes Königreich) und Ranbaxy (Indien).

Außenhandel

Die malaysische Einfuhr von chemischen Erzeugnissen (SITC 5) stieg 2011 im Vorjahresvergleich um 18,4% auf 17,8 Mrd. US$. In den ersten beiden Monaten 2012 zeigt sich mit nur 5,6% ein deutlich gebremstes Wachstum. Am stärksten zugenommen hat 2011 der Import von anorganischen (31%) und organischen Erzeugnissen (23%), gefolgt von Pharmazeutika (19%). Die wichtigsten Lieferländer waren die VR China und Singapur (jeweils 2,2 Mrd. US$), gefolgt von Japan (1,9 Mrd.), den USA (1,6 Mrd.) und Thailand (1,2 Mrd. US$). Deutschland lieferte 2011 Chemieprodukte für 838 Mio. US$ und legte mit 21,5% leicht überdurchschnittlich zu.

Geschäftspraxis

Zur Erschließung der Absatzregion Südostasien bietet sich Malaysia als Ausgangsbasis an. Die ASEAN-Mitgliedstaaten haben die überwiegende Anzahl der Binnenzölle abgeschafft und streben bis 2015 einen gemeinsamen Markt an.

Die Staaten der Gemeinschaft erkennen gegenseitig die Zulassung von Kosmetika an. Produkte aus Drittländern und Arzneimittel sind beim malaysischen National Pharmaceutical Control Bureau (NPCB) zu registrieren. Es überwacht die Einhaltung des “Sales of Drugs Act” (von 1953, novelliert 1989) sowie des Standards Good Manufacturing Practice (GMP). Über weitere nationale Normen informiert das Department of Standards Malaysia. Eine Besonderheit im malaysischen Vertriebssystem für Medizintechnik und Arzneimittel ist die Einschaltung von Zwischenhändlern malaiescher Herkunft, die im Zuge der Bumiputra-Politik bei Verkäufen an öffentliche Krankenhäuser vorgeschrieben ist. Quelle: Vogel Business Media